Und wie die Bar loaded war… Aber nicht nur die Bar. Alles war loaded. Die gesamte Staatsmeisterschaft im Kraftdreikampf 2017 war mal, abgesehen von den Athleten bis ins kleinste Detail on Steroids.

Es ist sehr schwer für mich, diesen Wahnsinn auf nur wenigen Seiten zu beschreiben und jede Leistung, sei sie sportlich oder im Hintergrund in der Organisation, zu würdigen. Ich versuche es. So wie ich es immer gemacht habe. All in. „Vui drauf“. Das geht auch manchmal in die Hose. Aber „vui drauf“ ist trotzdem einfach nur geil und richtig. Scheiß doch der Hund drauf. Zu allerletzt zählt nur der EM-Titel… 😉

Sportliche Highlights

Ich beginne mal mit den sportlichen Leistungen und versuche es hier wirklich kurz zu halten, denn ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Die meisten von euch werden diese Leistungen sowieso bereits mitbekommen haben. Ob nun eine 62kg schwere Dame 180kg hebt und ein 104kg schwerer Mann 309kg beugt oder ein völlig irrer, aber wunderschöner, Junior nach 2 Fehlversuchen den Juniorenrekord im Kreuzheben ohne Gürtel und ohne Shirt vernichtet.

Das sind nur einige sportliche Highlights. Bitte entschuldigt mich, wenn ich in diesem Kapitel niemanden namentlich nenne, denn ihr seid es alle wert gewesen hier und überall sonst aufzuleuchten. Aber ich will keine Leistung über eine andere stellen. Von den meisten von euch weiß ich, dass ihr euch tagtäglich den Hintern aufreißt, um wenigstens ein paar Kilo stärker zu werden. Warum nun einer besser als der andere ist, liegt nicht nur am Training, sondern auch an den individuellen genetischen Voraussetzungen.

Eine Leistung über die eines anderen übermäßig zu würdigen, wäre unangemessen. Ihr habt alle versucht, euer sportliches Ich stärker als jemals zuvor zu präsentieren und schlussendlich ist es genau das, was Kraftdreikampf ausmacht. Schwere Dinge von Punkt A wieder nach Punkt A zu bewegen. Ich fühle mich unheimlich wohl in dieser Atmosphäre. Es ist meine Welt. So wie sie eure ist. Und in dieser Welt leben auch Freunde weiter, die leider vor der Meisterschaft völlig unerwartet von uns gegangen sind. Du hast gefehlt, Richie! Jedem von uns!

Highlights im Umfeld

Es war die erste Staatsmeisterschaft seit 2009, an der ich nicht aktiv teilnahm. Und erst hier erkannte ich, was da eigentlich so alles abgeht. Ansonsten bin ich ja in meiner kleinen besonderen mentalen Welt. Um euch meine Eindrücke näher zu bringen, möchte ich einfach ein paar Anekdoten von Ereignissen erzählen, die mir während des Events aufgefallen sind.

1. Geno Biancheri: Patrick Karger, unser Gym-Youngster und einer meiner „Buam“ hat sich bereit erklärt, unseren Announcer vom Flughafen abzuholen. Er hatte ungefähr ein Bild von ihm im Kopf. Sieht aus wie ein Pirat. Eigentlich einfach. Sollte nicht schwer sein, jemanden mit Papagei, Holzfuß und Handhaken in der Ankunftshalle zu erspähen. Doch er kam nicht. Patrick wurde unruhig. In seinem Kopf spielten sich bereits Szenarien ab, wie er nun dem österreichischen Justizsystem weismachen wird, dass Geno keine Flugzeuge, sondern nur Schiffe entert. Doch plötzlich erschien eine doch eigenartige Figur an der Ausgangstür. Patrick dachte sich: „Sieht aus wie ein Pirat, den man seiner Kleidung beraubt hat und der sich schnell an der Gym-Fundsachen-Box bedient hat.“ Rosa Replica-Crocs, die standesgemäß ohne Socken getragen wurden, eine GASP-Trainingshose, welche aus der ersten Kleidungscharge dieser Firma stammen dürfte und ein mit Essensresten übersäter Hoodie. Das musste er sein! Da Geno einen „Big Alex“ in der Ankunftshalle erwartet hatte, dauerte es etwas, bis ihm Patrick erklären konnte, dass er sein Taxifahrer ist.

Die beiden machten sich ins Gym auf und Geno verliebte sich auf Anhieb in diese Location. Wie erkennt man sowas? Naja… indem er einfach jede freie Sekunde dort verbrachte. Für 5 Tage hatten wir unseren eigenen Piraten. Er ist auf jeder größeren Powerlifting Veranstaltung zu finden, hat mehr Weltrekorde angesagt als jeder andere Sprecher im Kraftdreikampf-Business, ist DIE Stimme im Powerlifting und jetzt war er bei uns. Das muss teuer gewesen sein. Nein. Geno verlangt kein Honorar. Nur Verpflegung, Flug und Unterkunft. That’s it. Gold hat er anscheinend genug von seinen Raubzügen… Neben seiner vollkommen unkomplizierten, freundlichen und lustigen Art hat er durch seine Moderation „die Staats“ erst zu dem gemacht, was sie war. Etwas wirklich Besonderes. Alleine über Geno könnte ich ein Buch schreiben. Wen es gewundert hat, warum er am zweiten Tag einige Male mit dem Microphon im (nicht vor dem) Mund eingeschlafen, nach einigen Sekunden erschrocken aufgewacht ist und „The bar is loaded“ gebrüllt hat (obwohl die bar gerade deloaded war), dann lag das an der Vornacht. In dieser wurde er fast zwanghaft von unserem Präsidenten und einer Kampfrichterin zu einer Partynacht überredet. Man stellte ihn in diversen Lokalitäten als Leadsänger einer kanadischen Rockband vor um ihm Frauen zu verschaffen. Diese konnten aber kein Englisch, haben es durch den Alkoholkonsum temporär verlernt oder hatten Angst vor seinem Haken (hier hat er mir erzählt, dass er unterschiedliche Aufsätze für diverse Tätigkeiten besitzt. Die Angst war also unbegründet). Und so „musste“ er sich mit Alkohol begnügen. Um seinen Brand am nächsten Tag möglichst schnell wieder los zu werden, fügte er sich perfekt in die österreichische Tradition ein, was nun eben zu tun sei, wenn man „fett“ ist. Er aß Gulasch und bat Andi, ihm eine Flasche Whiskey zu besorgen. Trotz dieser Radikal-Rehabilitation war er – so glaube ich – doch sehr glücklich, dass ich ihn ab Mittag beim Kommentieren etwas unterstützte. So konnte er ein paar kleine Schläfchen abhalten. Intermitted sleeping… oder so.

Als Andi und ich ihn am Mittwoch dann zum Flughafen brachten, waren wir beide doch etwas wehmütig. Geno ist einfach ein angenehmer, ehrlicher und freundlicher Zeitgenosse, der uns wirklich glaubhaft versicherte, wie schön er es hier gefunden hatte und wie angenommen er sich fühlte. Kein Zweifel, den Typen holen wir wieder. Und wenn’s nur deswegen ist, dass er wieder auf der Multipresse ohne Aufwärmen 120kg negativ schräg @13 drückt und dann aufsteht (@15).

2. Organisation: Wenn Stefan, Andi und Andi etwas in die Hand nehmen, dann wird es nicht nur gemacht. Es wird überdimensional. Krank. Unnachahmbar. Einzigartig. Einige Details:

  • 7x5m große LED-Wall (Das Ding kostet irgendwas im Bereich von €300.000!).
  • Live-Stream mit Kommentatoren und unzähligen Kameras.
  • Die stabilste Bühne überhaupt. Wir hatten Bühnenelemente mit Styroporwürfeln verstärkt. Darüber eine Vollholz-Gewichtheber-Plattform und darüber eine Eleiko-Powerlifting-Plattform. Geiler wäre es nur, auf Vollstahl zu heben.
  • 250 Sitzplätze.
  • Der größte Aufwärmbereich in der Geschichte des Kraftdreikampfes
  • Keine NADA! Hahahaha! Verstehst? Die sind nicht gekommen! Wir hatten ihnen extra einen kleinen Raum neben der Waschmaschine und dem Trockner eingerichtet, damit sie es auch warm gehabt hätten.
  • Vollgas Musik. Nicht dieser IPF-Scheiß, dass man die Musik ständig beim Versuch runter dreht.
  • Der Pirat.
  • 3kg Ammoniak-Kanister im Wartebereich.
  • Tonnenweise selbstgemachtes Essen von Mama Pürzel

Das Ganze funktioniert mit Aufbau und Abbau und generell der Beschaffung all dieser Dinge nur, wenn man sich komplett reinhaut. Das haben die drei gemacht. Das tun sie immer. Ohne sie wäre das nicht mal ansatzweise möglich geworden.

3. Outdoor Fitness Freistadt: Also spätestens ab dieser Meisterschaft ist jedem klar, dass es neben dem BORG Club nun einen zweiten Verein in Österreich gibt, wo nur Wahnsinnige starten (dürfen). Ausschließlich. Bei den Freistädtern ist keiner normal. Grundsätzlich steigt man in einen Wettkampf mit seinem Maximum ein. Diese wird zuvor vom Head Coach Vinzenz Helmreich bestimmt und liegt grundsätzlich 2,5kg über dem ehemaligen PR. Dann hat man noch zwei Versuche, um sein Max zu erhöhen. Gscheit eigentlich. Beim BORG Club neigt man dazu, mit einem Versager einzusteigen… oder zwei… oder drei…

  • F.F. gibt für seine Athleten 400kg im Drittversuch beim Kreuzheben an. Wir mussten Michael Leitner mit Mühe und Not davon überzeugen, auf diesen unsicheren Versuch doch noch zu verzichten und zu reduzieren.
  • F.F. schreit seinen Athleten zu, sie sollen „die Drecksau“ heben. Der BORG Club ruft: „Mochs fertig, die Hua!“
  • F.F. hat nur Athleten über 100kg. Auch die unter 100kg haben über 100kg.
  • Für O.F.F. ist ein Grinder höchstens @7.

4. Gespräche und Ereignisse rund um den Wettkampf:

  • Geno befindet sich am Freitag im Gym. Neben anderen Personen ist auch jemand anwesend, den ich hier namentlich nicht nennen will, da ich Gefahr laufe, abgestochen zu werden. Ich nenne ihn nach dem Hauptdarsteller im Film „Heartbreak Ridge“ nun Gunnery Sergeant Tom Highway. Highway war beim amerikanischen Schiteam als Trainer tätig. Er sieht Geno und fragt mich, wer das sei. Ich erkläre es ihm. Keine 2 Minuten später sprechen die beiden miteinander über das exzessive Liebesleben von Lindsay Vonn und Fotos von ihr, die Sergeant Highway ebenfalls besitzt. Dadurch, dass ich ständig lachen muss, verstehe ich nur Satzfetzen:

Sgt. Highway: „Yeah, and you can see how he has his big black … in her …“.

Pirat: „Oh really. Nice. So he had his … in her …? And there are photos of that?“

Sgt. Highway: „Yeah man! I know her … “

Die verstehen sich auf Anhieb.

  • Geno redet über eine Nacht mit einer Dame, die unter Alkoholeinfluss und Drogenmissbrauch, während sie auf ihm gesessen ist, runterfiel und neben dem Bett bewusstlos liegen blieb. Geno merkte das nicht sofort und fand sie nicht mehr. Er nannte sie „Magic Chick“.
  • Nach einem ungültigen Kniebeugeversuch eines Athleten sieht mich dieser an und fragt mich mit seinem Blick, was denn passiert sei. Ich drehe mich zu seinem Coach und meine: „Wahrscheinlich wegen der Tiefe ungültig.“ Daraufhin der Trainer: „Ja und was jetzt? Zu hoch oder zu tief?“ Ich denke etwas darüber nach und tippe darauf, dass er eventuell zu hoch gewesen ist. Daraufhin der Athlet: „Owa i woa jo eh gaunz unten.“
  • Benno Grossrubatscher neigt dazu, im Wettkampf jemand anderer zu werden. Nachdem er Andi dazu genötigt hat, ihn zu schlagen (Andi fühlte sich dadurch benutzt), geht Benno mit Brüllschreien auf die Bühne. Er hat übrigens seit seinem letzten Wettkampf 15kg Fett abgenommen. Dort angekommen, hebt er einen PR. Im Drittversuch und nach massiven Watschen-Einsatz versucht er sich an 270kg, die er nicht schafft. Trotz des PRs mit 15kg weniger Köpergewicht schreit er durchgehend, bis er den Wettkampfort verlassen hat (dauert alles in allem ca. 15min): „Heute geht nichts! Nichts! Scheiße. Verdammt! Nichts! Ich Arschloch!“
  • Ein Athlet bricht sich den Oberarm bei Kniebeugen. Beim Kniebeugen!!!! Während eines österreichischen Rekordversuchs. Er ist die härteste Sau dieser Staatsmeisterschaft. Rekord hin oder her. Du hast es geschafft, Amigo! Du bist vui draufgegangen.
  • Eine Athletin geht beim Kreuzheben nur im Singlet auf die Bühne (Laut Regelwerk dürfen das nur Männer. Frauen müssen immer ein T-Shirt darunter tragen). Erst nach dem Versuch wird ihr mitgeteilt, dass dieser wegen der nicht eingehaltenen Kleidungsvorschrift ungültig sei. Sie tötete den Hauptkampfrichter beim Zweitversuch mit ihrem Blick. Ich sage: Völlig zu Recht und rufe hiermit zum Boykott dieser Vorschrift auf. Kreuzheben nur mehr ohne T-Shirt für Frauen und Männer! Wozu trainieren wir Astln, Oida?
  • Der Präsident des ÖVK verteilt halb nackt irgendwelche Goodies im Publikum.
  • 500 Besucher innerhalb dieser beiden Tage.

Alles in allem ist die Staatsmeisterschaft einfach nur geil. Danke an alle, die dabei waren. Und mir bleibt nur noch eines zu sagen: „Geht’s immer vui drauf!“ Das ist das Einzige, das zählt.